Submitted by Admin on Sat, 2006-11-18 16:31.
Projektbeschreibung – Graz 8020: Ein Ort zwischen Faces und Interfaces
Michel Foucault definierte das 21. Jahrhndert als das Deleuze’sche. Das bedeutet: „Wir befinden uns im Zeitalter partieller Objekte, der Bausteine und Reste. …Wir glauben nicht mehr an eine Totalität weder am Anfang noch am Ende unseres Seins”.
Als das City Upgrade Projekt im November 2004 startete, gab es eine Vision – oder besser eine latente Utopie – eines europaweiten Netzwerks von speziellen „vibrant agonistic public spheres” (C. Mouffe), in denen die Menschen die Fertigkeiten und Fähigkeiten erlangen können, die notwendig sind für ein erfolgreiches Leben im Zeitalter des Globalen Netzes. Gemeint sind also Plätze, wo Werte geschöpft werden, indem man ständige Innovation und Veränderung „umarmt”. Plätze “between and around identities” (ortlos, nonlocation). Plätze folglich, die als genuine „Schwellen der Deterritorialisation” fungieren (egal um welche Materialität es sich handelt, sie muss genug de-territoriesiert werden, um das Netzwerk „betreten“ zu können), d.h. Plätze, die das Potential haben, die Moderne auf ihrem Weg von der Entweder-Oder-Gesellschaft von heute zur Und-Gesellschaft von morgen zu beschleunigen. Das Ergebnis ist eine Open-Source-Lebensmethode, die gleichzeitig als ein mögliches neues, postkapitalistisches Produktionsmodel fungiert. Produktion als Lust. Kapitalismus gegen Kapitalismus.
Indem klassische Stadtplanungsmethoden immer obsoleter wirken vis-à-vis spaltender Entwicklungen innerhalb heutiger sprawling reality, in der „kein Ort an seiner Stelle” (D. Liebeskind) ist und indem Einzelne immer besser ausgestattet sind mit Möglichkeiten aktiv am globalen Wirtschaftsgeschehen teilzuhaben, sind wir gut beraten, radikalere Stadtplanungsentwürfe zu entwickeln für ein City Upgrade, das eine neue Art von urbanen Umgebungen schafft, die der Deleuzeschen Diagnose entsprechen und wie ein mentales Viagra auf uns wirken, damit wir mit dem Multi-Versum permanenter Veränderungen auch in Zukunft voll kompatibel bleiben.
Im Gegenteil zum City Update kann ein City Upgrade erst dann stattfinden, wenn eine neue technologische Infrastruktur mit einer neuen Art des Denkens und Handels einhergeht – z.B. wie man Business oder Politik macht. Darüber hinaus müssen beide gegenseitig komplementär sein. Erst diese „Koinzidenz” von beiden gleichzeitig bewirkt, dass es zur Emergenz neuer Formen von Zusammenarbeit und Wertschöpfung sowie neuer Gewohnheiten (z.B. Arbeitszeitgestaltung) und Kompetenzen kommt. Kurz: Es handelt sich um die Emergenz eines weitverbreiteten Unternehmensgeistes (enterprising spirit) unter den Bürgern, der es ermöglichen soll, dass diese in einer horizontal organisierten Zusammenarbei mächtige Wissenspools schaffen. Was also die Einwohner in Graz 8020 dringend brauchen ist die Umstellung ihrer mind-sets als Voraussetzung für ein erfolgreiches City Upgrade.
Um dies zu erreichen, brauchen wir ein dynamisches infrastrukturelles Environment (d.h. zahlreiche „vibrant agonistic public spheres”) und eine Stadtverwaltung, die die Innovationkraft ihrer Bürger fördert (man muss sich immer wieder neu entdecken und gesellschaftlich aufstellen).
Im Klartext: Unser City Upgrade-Konzept konzentriert sich auf die vorhandene urbane „Hardware“ und versucht in erster Linie sie mit neuen „Programmen“ zu bestücken, die es ermöglichen, das „Alte“ den neuen Anforderungen anzupassen – als vernetzte offene Systeme, die nach dem Prinzip einer „distribuierten Intelligenz“ arbeiten: überall gleichzeitig und nirgendwo im einzelnen.
Das Reale und das Virtuelle treten hier als komplementäre Erscheinungsformen mehrschichtiger Systeme auf, die sich nach dem „sowohl – als auch“-Prinzip der neuen UND-Gesellschaft im Zeitalter des universellen Urbanismus selbstregulativ organisieren und selbstdiagnostifizieren. Die digitale Ökonomie ermöglicht breiten Schichten, die Visionen für das 21. Jahrhundert mit zu entwickeln und mit zu gestalten – nach den Regeln der sog. hyper-real plug-and-play-worlds einer „Game Structure“. Diese Systeme können in den bestehenden Altbaustrukturen leicht implementiert werden, wie eine Art Prothesen, um die Anpassungen an neue Anforderungen zu ermöglichen. Ergebnis: intelligente, frei programmierbare „on-demand environments“.
Diese on-demand environments sind ursprünglich mit keinen spezifischen funktionalen, formalen, sozialen oder politischen Presets ausgestattet. Sie können beides seien: real und virtuell. Die in ihrem „Quellcode“ einkodierte Offenheit macht es möglich, sie wann immer von einem Zustand in den anderen zu versetzten – 1 und 0 – entsprechend den Bedürfnissen und Wünschen der Anwender. Die Kernarchitektur bleibt abstrakt.
Was also im Vordergrund unseres Interesses steht ist die Implementation einer IT-Infrastruktur für offene, distribuierte und heterogene Anwendungsumgebungen, die der Stadt ermöglicht, sich „selbst kennen zu lernen” und somit auf eine höchst effiziente, da selbstregulative und selbstdiagnostifizierende Art und Weise auf die vielen Inputs aus mannigfaltigen, distribuierten Quellen zu reagieren. Als eine Ergänzung zur traditionellen, zentralisierten Datenverwaltung der Stadtbehörden.
Die Folgen für die „City-users” werden gleich nachvollzienbar sein: Ein Netzwerk von selbstorganisierten, „smarten” Computingkomponenten, die, durch die ganze Stadt (oder ein Netzwerk von Gebäuden) verteilt, sie mit allem Nötigen (z.B. Licht, Wärme, Internetanschluss, etc.) versorgen, ohne dass sich die Bewohner bewusst darum kümmern müssten. Dies geschieht ungefähr auf dieselbe autonome Weise, wie unser Nervensystem unsere Körper reguliert und schützt. Dank unseres continuous electronic engagement in der Außenwelt lernt die IT-Infrastruktur, wie wir leben, und, indem sie das tut, entdeckt sie diverse Muster (Algorithmen) in unserem Verhalten. Sie optimiert permanent sowohl diese Muster als auch ihre eigenen Vorschläge, diese zu optimieren. Andererseits, werden diese Inputs von Seiten der City-Users durch ihre Feedbackschleifen kontinuierlich upgedatet – gemäß dem Prinzip „Form follows Feedback“ (W.J. Mitchell).
Mit einem Wort: die Infrastruktur in 8020 agiert wie Golem Reloaded – sie macht das Alltagsleben leichter, ohne dass die Menschen dort daran denken müssen. Das Endresultat ist ein Modell einer high-spirited networked city entlang der Annenstrasse – den künftigen Boulevard der Produktion (Produktion als Lust) – , das den prosperierenden Stadtteil 8010 mit dem Hauptbahnhof verbindet.
Architektonisch werden die vorhandenen (vorgefundenen) „Spirits“ der lokalen Gegebenheiten und Eigenschaften ausformuliert und durch ein Upgrade auf ein globales Level gehoben. Das wäre das Design für die Städte, die „smarter und nicht härter“ arbeiten.
Es gilt jedoch: Das Vorhandensein der Technologie allein reicht nicht aus, um eine urbane Veränderung einzuleiten. Damit das komplexe Mischen von Real und Virtuell „urbane Früchte“ trägt, bedarf es noch einiger wesentlicher städtisch-architektonischer Phänomene, die die strategische Vision der Stadt der Zukunft bilden.
Auf dem architektonischen Level, durch einen neuen Code, wird durch die Begrifflichkeit ein neuer Typ der urbanen Agglomeration beschrieben, der uneingeschränkte Interaktion mit der Öffentlichkeit verlangt. Diese urbane Intervention hat nicht nur eine lokale Wichtigkeit für die Stadtbevölkerung und deren Spirit und Identifikation, sondern global gesehen auch eine enorme Bedeutung im Sinne des City Brandings (Stadtmarketing).
Durch die Verlagerung vorhandener Ressourcen zu Gunsten einer höheren Handlungsbefähigung möglichst vieler Einzelner könnte der Einfluss der Materialität an einem City-Upgrade exponentiell reduziert und Kapitalinvestitionen minimiert werden. Damit könnte aber auch unsere Vision einer Heterarchitektur als ermöglichender Plattform für alle mehr Gestalt bekommen. Und schließlich könnten sich die Stadtverwaltungen voll auf ihre originäre Aktivität konzentrieren – die Entwicklung von Dienstleistungen und Strategien, um möglichst viel aus der höchst intelligenten Infrastruktur für ihre Bürger herauszuholen, damit diese nach wie vor in der Lage sind, ihre eigene Geschichte zu gestalten, statt Geschichte zu werden.
Diese Modelllösung soll in Graz im 3. Projektjahr realisiert werden.
Environment
Ein Environment, das wir entwerfen und entwickeln wollen, ist ein innovativer architektonischer Lösungsvorschlag für neuartige Lebens- und Arbeitsformen in sogenannten „mixed reality environments“ im 21. Jahrhundert.
Das Ergebnis: intelligente Räume, die keine spezielle Raumerfahrung voraussetzen und gleichzeitig unerwartete Nutzungen ermöglichen. Die Erschaffung und das Design eines hoch entwickelten „on-demand environment“, welches die Realität des Multi-Versums ermöglicht, also den zukünftigen Lebensumgebungen, in denen Virtualität und Realität verschmelzen.
Durch die Implementierung des von uns entwickelten Prototyps wollen wir prüfen, ob neue Gebäude wirklich notwendig sind, und wenn ja dann in welcher Art, damit der Anteil der Materialität exponentiell reduziert und Kapitalinvestitionen minimiert werden können - das Prinzip der Nachhaltigkeit.
Das heißt für uns: Die neuen Upgrade-Methoden basieren auf dem kontinuierlichen Fluss von Informationen („continuous electronic engagement“) innerhalb eines Gebäudes bzw. eines Gebäude-Netzes, eines Stadtviertels oder einer Stadt, und auf einem intelligenten Stadtmanagement, welches, dank des kontinuierlichen Infoflusses, schonend mit den vorhanden Ressourcen umgeht und diese permanent ökologisch erneuert - durch intelligente „Infrastructure Patchworks“.
Im Klartext: Unser City Upgrade-Konzept konzentriert sich auf die vorhandene „Hardware“ und versucht in erster Linie sie mit neuen „Programmen“ (Implantaten) zu bestücken, die es ermöglichen, das „Alte“ den neuen Anforderungen anzupassen – als vernetzte offene Systeme, die nach dem Prinzip einer distribuierten Intelligenz arbeiten: überall gleichzeitig und nirgendwo im einzelnen. Derart bleibt alt immer neu.
Zeitplan - Projektablauf
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Phasen
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Dauer
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Deadline
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Vorbereitung + Excerpt
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30 Tage
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30.Juni
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Aus den Ergebnissen des 1.Projektjahres
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erster Workshop in Graz
setUp des 2.Projektjahres
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3 Tage
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01.- 03.07.’06:
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Design des Environments-Definition Modellräume /städtebaulicher Kontext
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3 Monate
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Juli bis Sept 2006
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zweiter Workshop in Wien Implementierung der Modellräume in die urbane Situation
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3 Tage
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06.- 08.10.’06:
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Redesign des Prototypen, Casestudies
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3 Monate
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Okt bis Dez. 2007
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dritter Workshop in Stuttgart
Präsentation des Prototypen
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3 Tage
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12.- 14.01.’07:
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Test Casestudies
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3 Monate
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Jän.bis März 2007
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Fertigstellen der Modellräume
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vierter Workshop in Graz
Vorbereitung der Präsentation
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3 Tage
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01.- 03.04.’07:
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Layout für die Ausstellung, Vorbereitung Report
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2 Monate
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April bis Mai 2007
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Öffentliche Präsentation
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10 Tage
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Ende Juni ‚07
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Ausstellung/Konferenz/Installation
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Projektteam
Mehr über das Projektteam kann man hier finden.